I. Der Fischer
Ballade von Goethe

HORATIO
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach der Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt, und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

LÉLIO
Fünf Jahre sind es nun, daß ich Goethes Lied für ihn komponierte. O, wie glücklich waren wir! Sein Los ist seitdem dasselbe geblieben. Das meine jedoch... Fünf Jahre! Wie habe ich seitdem gelitten!

HORATIO
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.

LÉLIO
Sirene! Sirene! Gott! Mir bricht das Herz!

HORATIO
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Das Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.

LÉLIO
Ja, ja, nur zu oft habe ich ihn vernommen!

HORATIO
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da wars um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
Und war nicht mehr gesehn.

I. The Fisherman
Ballad by Goethe
Translation: John Bernhoff

HORATIO
She sang, she spake:
Why dost entice my speckled brood away,
Whit human wit and cunning nice,
To die 'neath parching ray?
Behold the sportive troutlet dart,
And flash each silver scale!
Oh, come to us just as thou art
And we will make the hale!

LÉLIO
Siren! Siren! Oh God! my heart will break!

HORATIO
The waters rolled, the waters rose,
The waves did lave his feet;
And in his heart found thoughts arose
Of love and of kisses sweet.

LÉLIO
Yes, yes, alas! I listened but too often.

HORATIO
She gazed on him, one kiss did crave,
And on his breast did lean.
He drew her close, sank 'neath the wave,
And never more was seen.